Total-Werk Apolda - Eine Ikone der Architektur
– Autor: Eike Küstner Kulturjournal Mittelthüringen 02/2010 (2010)
Der Lange Eugen, das ehemalige Abgeordnetenhaus in Bonn, ist jedermann ein Begriff. An der Gedächtniskirche am Berliner Ku´damm führen die Wege der meisten Berlinbesucher vorbei, das markante Olivetti-Hochhaus in Frankfurt am Main bleibt in Erinnerung. Diese Ikonen der Architektur des 20. Jahrhunderts stammen von Egon Eiermann, dessen Werkverzeichnis noch weitere prägende Bauten und Designs verzeichnet.
In der Nähe des Apoldaer Viaduktes ist ein Fabrikbau des bedeutenden Architekten der Nachkriegsmoderne zu entdecken, der als ein früher Industriebau Eiermanns von 1938/39 schon manch ein architektonisches Zitat der späteren Werke birgt. Anfang des vergangenen Jahrhunderts war auf dem Areal- wie für das ehemals reiche Apolda typisch - eine Weberei und Wirkerei zu finden. Der ortsansässige Architekt Hermann Schneider hatte für den Textilfabrikanten Borgmann einen neunachsigen Stahlskelettbau entworfen. Dieser Architekt, dem die Stadt zahlreiche Industrie- und Wohngebäude verdankt, lässt sich mit seinen Werken übrigens ab 18. April im Glockenmuseum entdecken.
Nach dem Konkurs Borgmanns übernahm der Berliner Industrielle Waldemar Foerstner die Fabrik, um hier Feuerlöschgeräte herzustellen. Im Total-Werk, unter wechselnden Namen und Eigentumsverhältnissen, wurde bis zum endgültigen Aus für die Produktion 1994 Löschtechnik hergestellt. Foerstner beauftragte den jungen Architekten und Poelzig-Schüler Eiermann mit einem Erweiterungsbau des Fabrikgebäudes.