– Autor: Ekkehard Schulreich Leipziger Volkszeitung (2009)

129 000 Quadratmeter Land am Bad Lausicker Stadtrand suchen neue Nutzer

Bad Lausick. Ein Filetstück ist das Silika-Gelände nicht gerade, aber die größte Freifläche in Bad Lausick auf jeden Fall: Seit das Werk in den neunziger Jahren abgerissen wurde, sank das Areal am südöstlichen Stadtrand in einen Tiefschlaf. Aus dem hätte sie fast ein Biogas-Investor gerissen, doch die Stadt lehnte ab. Fotovoltaik-Interessenten gibt es hin und wieder, aber keinen Bebauungsplan.

Auf dem Bad Lausick-Otterwischer Flächennutzungsplan ist die Industriebrache Silika ein weißer Fleck. In der Landschaft wirkt die zwischen Ballendorfer Straße (B 176) und Erich-Weinert-Straße gelegene Fläche von Jahr zu Jahr grüner: Die Natur erobert ein Terrain zurück, auf dem ein Jahrhundert lang mehrere Hundert Menschen arbeiteten. Eigentümer der 129 000 Quadratmeter ist die in Berlin ansässige Gesa mbH. Die Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten, so der ausführliche Name, übernahm die Flächen im Jahr 2000 von der Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft (TLG). Die TLG hatte das Areal in den neunziger Jahren beräumt. Dennoch hat es die Brache in sich: 42 200 Quadratmeter nimmt die Betriebsdeponie ein. Die ist abgedeckt, dennoch muss die Gesa regelmäßig Grundwasser und Deponiegas untersuchen.

"Unser Ziel ist klar: Wir möchten das Gesamtareal veräußern. Aufgrund der Größe sind aber auch Verkäufe von Teilflächen möglich", sagt Gesa-Sprecherin Gudrun Finger. Interessenten gebe es, die zum Beispiel regenerative Energien produzieren wollten. "Inwieweit die Flächen dafür geeignet sind, ist offen", so Finger. Zudem stehe man aktuell mit einem potenziellen Käufer, der 8000 Quadratmeter möchte, in Kontakt.

Hier Strom aus Sonnenlicht zu gewinnen, diese Option hält der Bad Lausicker Bauamtsleiter Wolfgang Günther prinzipiell für denkbar: "Altlastenstandorte sollten gerade dafür vorrangig genutzt werden." Allerdings bezweifle er, dass die Deponiefläche überbaut werden dürfe. Das riesige Gelände sei grundsätzlich für Investoren interessant, meint Günther. Es gebe nur zwei Haken: "Die Fundamente von den Industriebauten sind noch im Boden. Sie wurden nur überdeckt." Und es gebe ein ungelöstes Problem mit dem Oberflächenwasser.

Vor jedem Bauvorhaben steht auf jeden Fall ein aufwendiger Prozess: Die Stadt müsste den Flächennutzungsplan ändern. Dazu wäre sie bereit, käme ein Investor mit einer tragfähigen Idee, meint Günther. Den Bau eines Bio-Kraftstoffzentrums, den ein sächsisches Unternehmen 2005 an dieser Stelle plante, meint Günther damit gewiss nicht. Der Betreiber zog das Vorhaben damals zurück, ehe es der Stadtrat verwerfen konnte. Vom Tisch ist auch die Inanspruchnahme des Silika-Geländes als Naturausgleich für die Wohnsiedlung auf dem Viertelsberg. Die hat die Stadt nach dem mehr als zehnjährigen vergeblichen Bemühungen, Baurecht zu erlangen, längst zu den Akten gelegt.