Lausitzer Rundschau (2008)

In Großräschen fallen heute die Schlote
Einstige Glaswerk-Schornsteine werden gesprengt


Grossräschen. Drei große Schornsteine, die letzten Überbleibsel des ehemaligen Glaswerks, werden heute in Großräschen gesprengt. Ab 13 Uhr sollen ein 70 und zwei 50 Meter hohe Backsteintürme zu Boden fallen.

Die beiden Sprengmeister Jürgen Bartsch und Uwe Jacob haben alles vorbereitet, damit die Schornsteine als Ganze kontrolliert umknicken. «Im unteren Bereich ist in der beabsichtigten Fallrichtung jeweils ein Stück der bis zu 75 Zentimeter dicken Wände rausgeschlagen worden – das hat den selben Effekt wie das Einschlagen eines Keils beim Fällen eines Baumes» , erklärt Jürgen Bartsch. «Anschließend haben wir je 16 Löcher gebohrt, die mit je etwa 200 Gramm Sprengstoff gefüllt und dann von außen mit Bauschaum abgedichtet wurden» , so Uwe Jacob weiter. Insgesamt seien nur knapp 15 Kilogramm notwendig, um die drei Giganten zum Einsturz zu bringen.

Das Großräschener Glaswerk wurde nach fast genau 100-jähriger Betriebszeit zur Wende stillgelegt. Der 70 Meter hohe Schornstein war da gerade erst fertiggestellt und wurde nie genutzt. Seit September 2007 werden alle Gebäude und Produktionsanlagen zurückgebaut. Mit Bundes- und Landesmitteln will die Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten mbH (GESA) das Areal in dem Gewerbegebiet im Osten der Stadt für eine neue Nutzung vorbereiten.

«Bis auf die Schornsteine ist das komplette Glaswerksgelände mit einer Kernfläche von sechs Hektar bereits beräumt, zurückgebaut und tiefenenttrümmert. Insgesamt sind dabei rund 30 000 Tonnen Bauschutt angefallen» , sagt Jörg Mandel von der ausführenden Firma Erdbau, Recycling & Abriss GmbH. In Vorbereitung auf die Sanierung werde nun in den Altlastenverdachtsflächen mit Erkundungsarbeiten begonnen. Die Gesamtkosten der noch bis September laufenden Arbeiten belaufen sich nach GESA-Angaben auf 1,45 Millionen Euro.