Eiermann-Bau wird Außenstandort der Bauhaus-Universität
– Autor: Sabine Brandt TLZ.de (2010)
Die Bauhaus-Universität will in den Apoldaer Eiermann-Bau einziehen. Sobald die Sanierung abgeschlossen ist, soll das Archiv der Moderne dort eingerichtet werden.
Weimarer Land/Weimar. (tlz) Stets war die Verblüffung groß, die ein nahezu original erhaltener Bau eines der wichtigsten deutschen Architekten des 20. Jahrhunderts an einem Ort auslöst, der seine beste Zeit hinter sich hat. Doch wie groß die Bewunderung auch war, die man in Apolda für die von Egon Eiermann entworfene Feuerlöscherfabrik erhielt, sie führte nie dazu, dass ein kunstsinniger Investor sich bereit erklärte, diesen Schatz dauerhaft zu erhalten und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Man erinnere sich nur an die stillen Hoffnungen, die mit Karl Lagerfelds Marsch durch die Modepräsentationen des Apolda European Design Award im Eiermannbau verbunden waren. Die Liebeserklärung des Modeschöpfers an den Industriebau war heiß. Doch schon nach zwei Tagen war die Liebe abgekühlt.
Nun hat die Bauhaus-Universität bekundet, den Eiermann-Bau zum Außenstandort ihres Archivs der Moderne zu machen. Offiziell sitzt das Archiv weiterhin in Weimar. Dort aber hat die Hochschule zu wenig Platz, um ihrem Anspruch auch nur annähernd gerecht zu werden, ihre Sammlungen aus der Bauhauszeit und danach sowie die archivierten Arbeiten ihrer Professoren und Studenten öffentlich zu zeigen. Rektor Professor Gerd Zimmermann beschreibt damit ein altes Dilemma. So lagern derzeit auch Arbeiten aus dem Horst-Michel-Institut für Industrielle Formgestaltung der DDR im Keller der Uni.
Selbstverständlich hat Zimmermann das Potential erkannt, das dieser Reliquie der Moderne innewohnt als eine der letzten, die wir noch erschließen können. Allerdings wird seine Hochschule nicht als Erschließer der Industriebrache auftreten können; die nämlich ist Teil des Bundesvermögens. Fürs Erste will sich die Bauhaus-Uni nur einmieten. Auf 500 Quadratmetern etwa der Hälfte einer Geschossfläche soll das Archiv der Moderne einziehen. Explizit wolle man kein Museum, sondern ein Schaudepot einrichten, sobald der Eigentümer die Sanierung vollendet habe. Diesbezüglich ist der Leiter des Amts für Wirtschaftsförderung guter Dinge: Die Sanierung sei auf dem Wege, sagte Hans-Jürgen Giese gestern.
Nachdem sich seit der Wende vor allem der Verein der Freunde und Förderer des Eiermann-Baus um Erhalt und Restaurierung der Immobilie verdient gemacht hat, habe nun die Eigentümergesellschaft, ein Treuhandnachfolger, Verantwortung übernommen: Die Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten GmbH Berlin will zu 100 Prozent die Kosten zur Restaurierung der Außenfassade und der Fenster tragen.
Über den Eiermannbau hinaus rücken Apolda und die Bauhaus-Universität auch bei der weiteren Professionalisierung des European Design Award enger zusammen. Mit finanzieller Unterstützung des Kreises hat die Medienfakultät der Hochschule ein Lehrprojekt eingerichtet, das ausschließlich mit der Produktion kurzer Videoclips erfüllt werden wird, in denen die 34 internationalen Teilnehmer des Apolda European Design Award 2011 ihre Kollektionen präsentieren. Derart medial aufbereitet, will Apolda die weltweite Aufmerksamkeit für die Entwürfe seiner Designpreiskandidaten maximieren. Leiter des Lehrangebots, das zum Wintersemester 2010/11 an den Start geht, ist der Regisseur und Bauhaus-Alumnus Jörg Heiß.