– Autor: Michael Dietrich / Groß Schönebeck (MOZ) moz.de Märkisches Verlags- und Druckhaus GmbH & Co. KG (2007)

Der Bund hat über seine Treuhand-Nachfolgegesellschaft GESA den ehemaligen Holzhof in Groß Schönebeck für eine halbe Million Euro geräumt. Das riesige Betriebsgelände liegt seit der Wende brach, beherbergte große Mengen Schutt und Abfall.

Große, ungenutzte Betriebsgelände im Ort haben eine magische Wirkung. Sie ziehen scheinbar unvermeidlich Abfall an, Farbreste, Reifen, Bauschutt, gefährliche Stoffe... Und so glich der so genannte Holzhof des ehemaligen Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes der DDR mit Werkstatt, Sägewerk und Konsumgüterproduktion seit der Wende immer mehr einer Müllhalde.
Das sieben Hektar große, schwer einsehbare Areal an der Kannstraße war ein Schandfleck und Gefahrenherd mitten im Ort. Seit wenigen Tagen ist das Vergangenheit. Die verwaisten, maroden Hallen wurden abgerissen, der Abfall getrennt und entsorgt, das komplette Gelände geräumt.

Die Treuhand-Nachfolgegesellschaft GESA hat das Gelände im Besitz des Bundes für eine halbe Million Euro aufräumen lassen. Das Land Brandenburg und das Job-Center Barnim unterstützten die Aktion. 20 Arbeitslose wie Stefan Kunst aus Eichhorst oder Gerome Erlinger aus Eberswalde erhielten für acht Monate einen ABM-Job. In dieser Zeit sortierten und beräumten die Arbeitskräfte insgesamt 1400 Tonnen Abfall und bauten zehn Produktionshallen und weitere Nebengebäude zurück. Jetzt, erklärte GESA-Chef Claus-Peter Pietras beim feierlichen Abschluss der Arbeiten am Donnerstag, könne man auch potentielle Interessenten für das Grundstück nach Groß Schönebeck einladen. Bisher habe der Schandfleck Investoren eher abgeschreckt als eingeladen. "Wir werden uns jetzt verstärkt um die Vermarktung kümmern. Das Gelände ist vorzeigbar, die Zäune sind repariert, wir hoffen, dass es schnell neue Nutzer geben wird, denn Nutzung ist der beste Schutz für Immobilien", so Pietras.

Nur zwei Gebäude blieben stehen, eine Halle samt Anbau, den die Gemeinde Schorfheide für einen symbolischen Preis noch in diesem Jahr erwerben will. Dort soll der SV Schorfheide einmal seine neue Heimstatt finden. Ortsbürgermeister Albrecht Gläsel schaute schon mal in die Zukunft und sah dort eine Tennishalle und eine Trainingshalle für die Biathleten des Vereins. Ein zweites, großes Produktionsgebäude blieb stehen und wurde gesichert. Die Vermarkter hoffen, dass es noch eine Nutzung als Lager findet.

Der Flächennutzungsplan der Gemeinde sieht auf der Fläche ein Mischgebiet vor. "Wir können uns dort stilles Gewerbe in Verbindung mit Wohngrundstücken vorstellen", erklärte Uwe Schoknecht. An die GESA richtete er dennoch seinen Wunsch, die Augen nach einem größeren Investor offen zu halten. "Auf dem Holzhof haben einmal 500 Menschen gearbeitet. Das wäre schon ein Segen, wenn hier eine Firma wieder 500 Menschen Arbeit geben würde."

Albrecht Gläsel freute sich nicht nur über die geräumte illegale Müllhalde, sondern auch über den sorgsamen Umgang mit der Natur. "Fichten, Hartriegel und Sanddorn sind beim Abriss unversehrt geblieben. Wer die sandige Schorfheide kennt, weiß, wie lange es dauert, bis solche Anpflanzungen hier groß werden. Für eine künftige Nutzung ist jetzt schon mal das Grün vorhanden."