– Autor: Ingo Kramer Sächsische Zeitung - Görlitzer Stadtleben (2010)

Wenn alles nach Plan läuft, wird die Brache an der Jauernicker Straße nächstes Jahr in Ordnung gebracht. Wofür das Gelände später genutzt wird, ist offen.

Frank Heuer will nicht länger warten. "Bei uns liegen viele Beschwerden über Zustand und Anblick der Industriebrache Jauernicker Straße vor", sagt der Vorstand der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft(GWG), die im Umfeld des früheren Nähmaschinenteilewerkes viele Wohnungen vermietet. Inzwischen sei der Schandfleck sogar schon als Grund für den Wegzug aus der Südstadt vorgetragen worden, erklärt Heuer.

Problem besteht seit Jahren

Seit Jahren klagen Anwohner über die Gefahrenquelle, über störende Klappergeräusche loser Teile aus der Ruine, den unschönen Anblick sowie die vielen Katzen und Ratten, die hier leben. "Wir würden uns wünschen. dass es schneller vorwärts geht", sagt Gudrun Finger, Sprecherin der Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten (Gesa). Die Berliner Firma ist ein Nachfolgeunternehmen der Treuhand und seit vorigem Jahr Besitzerin der Fläche. Sie hat im Februar 2009 den alten Schornstein sprengen lassen, weil Gefahr im Verzug war. Seither aber ist nichts Sichtbares passiert.
Hinter den Kulissen wird jedoch gearbeitet "Wir müssen uns mit dem Umweltministerium und der Stadt abstimmen". sagt Gudrun Finger. Dadurch dauern manche Schritte mehrere Wochen. Jetzt hofft sie, dass ein beauftragtes Gutachten in zwei Monaten ausgewertet und mit allen Seiten besprochen ist. Möglicherweise müssen für die Untersuchungen Gebäudeteile abgerissen werden. "Das könnte noch dieses Jahr passieren", sagt Gudrun Finger. Wahrscheinlicher aber ist, dass sich dieses Jahr vor Ort noch nichts tut, sondern nur Gutachten ausgewertet und Planungen vorangebracht werden.
"Realistisch schätze ich, dass der Abriss mit Beginn des nächsten Jahres startet", so die Sprecherin. Danach könnte binnen vier bis sechs Wochen alles erledigt sein. Ob alle Gebäude abgerissen werden oder nur ein Teil, steht aber noch nicht fest. Ziel der Gesa ist es, das Areal so schnell wie möglich saniert zu verkaufen. Das könnte nächsten Frühsommer so weit sein. Was hinterher mit der Fläche passiert, ist offen."Derzeit gibt es keine Kaufinteressenten", sagt Gudrun Finger. Sie rechnet auch nicht damit, dass sich vor der Sanierung jemand meldet.

Stadt kauft das Gelände nicht

Frank Heuer geht das alles zu langsam. Die Stadt habe bereits mitgeteilt, dass der Freistaat im Jahr 2009 finanzielle Mittel für den Rückbau bereitgestellt hat, sagt er. "Wo sind diese geblieben und warum ist außer der Schornsteinsprengung weiter nichts passiert?" Nach Aussage von Stadtsprecherin Kerstin Gosewisch liegt offenbar ein Missverständnis vor. Das Land habe zweimal 14 Millionen Euro zur Verfügung gestellt und Görlitz habe daraus insgesamt 302 000 Euro für das Waggonbau-Werk 1 und das Massa-Gelände beantragt und bekommen. Die Gesa aber ist eine Bundeseinrichrung und kann deshalb keine Förderung erhalten. Eine Lösung wäre der Kauf der Fläche durch die Stadt gewesen. Dazu ist es nicht gekommen. Für Frank Heuer und die Anwohner der umliegenden Straßen also bleibt nur eine Möglichkeit: Abwarten und hoffen, dass sich 2011 tatsächlich etwas tut.