– Autor: Bettina Junge Freie Presse (2010)

Fettchemie-Schandfleck soll verschwinden


Altstandort-Sanierer untersucht belasteten Boden In Mohsdorf - Ehemalige Wäschefabrik und DDR-Ruinen werden In Burgstädt abgerissen

Burgstädt. Frühestens ab 2012 könnte ein Schandfleck im Burgstädter Stadtteil Mohsdorf verschwinden: die ehemalige Fettchemie. Die Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten mbH (Gesa) hat ein zweites Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben, bestätigte gestern Gesa-Sprecherin Gudrun Finger. Ab April 2010 sollen die ersten Ergebnisse vorliegen.

Boden an vier Stellen mit Kohlenwasserstoffen belastet

"Fest steht aber schon jetzt, dass das Grundstück nicht so stark belastet ist wie bisher angenommen", so Finger. So sei die Verseuchung des Bodens mit giftigen, leichtflüchtigen Kohlenwasserstoffen nur an vier Bereichen festgestellt worden. Wie die Sanierungsmaßnahmen ab 2011/2012 aussehen, könne die Gesa noch nicht abschätzen "Untersucht wird, welche Stoffe den Boden weiter belasten und inwieweit das Grundwasser geschädigt ist", erklärte die Sprecherin. Ziel sei es, das Gelände so zu sanieren, dass das Gelände später industriell gewerblich genutzt werden könne. Bereits 2008 waren Gebäude der früheren Fettchemie Mohsdorf und der einstigen Spinnerei im Schweizerthal auf einer Fläche, die so groß ist wie vier Fußballfelder, abgerissen und ehemalige Tankbehälter entsorgt worden.

Das Fettchemie-Grundstück im Schweizerthal, auch Fewa-Gelände genannt, wurde zur Streuobstwiese mit Feuchtbereichen umgewandelt. Gleiches erhofft sich Burgstädts Bürgermeister Lars Naumann (Freie Wähler) vom Standort in Mohsdorf. "Wir wünschen uns, dass das Chemnitztal stärker touristisch genutzt wird, Radwege und Erholungsflächen sind wünschenswert", meint er. Die Gesa habe aber noch keine Pläne zur Sanierung der ehemaligen Spinnerei im Schweizerthal vorgelegt.

Gleichzeitig ist Naumann dankbar, dass gleich nebenan mit Zschimmer & Schwarz ein leistungsfähiger Chemiebetrieb entstanden sei. Für dieses Jahr strebt das Unternehmen eine Produktionserweiterung an. Die 22 chemischen Reaktoren sollen um vier aufgestockt werden. Investiert werden dafür drei bis vier Millionen Euro, erklärt Geschäftsführer Gerald LatzeI. Beschäftigt sind 142 Mitarbeiter.

Abrissbirne bis Ende Juni über der alten Rüger-Fabrik

"Ein Lichtblick zeichnet sich auch für das alte Fabrikgebäude an der Dr.-Heinrich-Hahn-Straße ab", sagt Naumann. Hier produzierte früher die Rügerfabrik Unterwäsche. "Nachdem alle Eigentümer dem Abriss zugestimmt haben, hat jetzt auch die Landesdireklion Chemnitz grünes Licht gegeben", so Naumann. "Mein Ziel ist es, dieses Gebäude bis Ende Juni abzureißen", so der Bürgenneister gestern. Sobald die Witterung es zuließe, könnte die Abrissbirne kommen. Ebenfalls im ersten Halbjahr dieses Jahres sollen die Häuser Nummer 16 und 18 in Helsdorf verschwinden. Als vorläufige Sicherungsmaßnahmen seien lose Teile im Dachbereich entfernt worden. Der Eigentümer habe die Grundstücke an die Stadt Burgstädt verkauft. Schon zu DDR-Zeiten hätten die Gebäude leer gestanden. "Ganz früher sollen dort das Rathaus und eine Jugendherberge gewesen sein", weiß Naumann. Die Gebäude seien äußerst baufallig. Sobald der Winter vorbei ist, werden die Häuser abgerissen, versprach das Stadtoberhaupt.

"Ein weiteres großes Sorgenkind ist das ehemalige Amtsgerichtsgebäude am Ahnataler Platz", erklärt Naumann. Der Eigentümer habe der Denkmalschutzbehörde mehrere konkrete Vorschläge zum Umbau bis hin zum Ersatzneubau unterbreitet und warte auf die Bestätigung. Der Investor habe viele Pläne, bisher würden die Auflagen des Denkmalschutzes hinderlich sein. Schon zu DDR-Zeilen habe das Gebäude überwiegend leer gestanden.

Haus mit aItersgerechten Wohnungen ist geplant