– Autor: Konrad Hüther TLZ Weimarer Land (2010)

Der Architekt Egon Eiermann starb vor 40 Jahren -
In Apolda Architekturgeschichte geschrieben

Als Baumeister seiner Zeit voraus

Seine Bauten machten ihn auf der ganzen Welt bekannt

Apolda. Besondere Bauwerke wie die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin (1958), die deutsche Pavillongruppe auf der Weltausstellung in Brüssel (1959) oder das 1965 entstandene Abgeordnetenhochhaus "Der lange Eugon" in Bonn sind zumindest durch Presse und Fernsehen bekannt. Man weiß sie einzuordnen, weiß aber wenig oder nichts über ihren Schöpfer. Egon Eiennann, der zu den bedeutendsten deutschen Architekten und Gestaltern der Nachkriegszeit zählt.

Geboren am 29. September 1904 in Neuendorf bei Berlin, realisierte er nach dem Architekturstudium bereits 1925 Filmbauten für die UfA, war etwas später Architekt bei der Karstadt AG und schuf 1941 Bühnenbildentwürfe für das Staatliche chauspielhaus am Gendarmenmarkt in Berlin. Während des zweiten Weltkrieges projektierte er mehrere Fabrikgebäude und Kesselhäuser. 1943/44 das Ausweichkrankenhaus Beelitz und zuvor, 1936/39, den Erweiterungsbau für das Feuer lösch-Gerätewerk "Total", Apolda, auf den hier wegen seiner architekturgeschichtlichen Bedeutung näher eingegangen werden soll. Voranzustellen sind dabei unbedingt die außerordentlichen Leistungen des 1999 gegründeten "Vereins der reunde des Eiermann-Baus Apolda e.V.", unter seinem Vorstandsvorsitzenden Dietram Franke. Dieser Verein hat den Bau nach seiner Stilllegung 1994 tatsächlich vor dem Verfall in Folge großflächiger Schäden am Dach, zerstörter Fenster durch Vandalismus gerettet.

Besonders problematisch waren in den Anfangsjahren des Apoldaer Gebäudes die wechselnden Eigentumsverhältnisse. Auf die damit verbundenen Querelen der verschiedenen Besitzer soll hier nicht näher eingegangen werden. Seit dem 1. Januar 2007 hat die "GESA" - "Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten mbH, Berlin" alle Besitzrechte übernommen.

Zur Entstehung des "Eiermann-Baus"

in den Jahren 1906/07 hatte die Firma Borgmann und Co. einen dreieinhalbgeschossigen Stahlskelettbau als Fabrik für Weberei und Wirkerei errichtet: "... wirtschaftliche Schwierigkeiten zwangen Borgmann Mitte der 30er Jahre zur Aufgabe des Unternehmens". Durch die in Berlin ansässige Total-Kommanditgesellschaft Foerstner & Co" die Feuerlöschgeräte produzierte, wurde das Firmengelände wegen günstiger Expansionsbedingungen erworben und Eiermann mit dem Anbau beauftragt. Er schuf die gelungene "...Verbindung eines älteren lndustriebaus mit einer modernen Erweiterung, die kompromisslos im Geiste des 'Neuen Bauens' der Vorkriegszelt konzipiert ist. Auch die elegante Dachterrasse ist bei einem Industriebau dieser Zeit einzigartig. Die Apoldaer Fabrik begründete den Ruhm des Architekten, dessen gestalterisches Ziel stets die Verschmelzung von Technik und Kunst war" (Franke).

Und damit für Außenstehende unfassbar: Der Eiermann-Bau, schon zu DDR-Zeiten 1980 unter Denkmalschutz gestellt und seit 1992 auf die bundesdeutsche Denkmalpflegeliste gesetzt, war dem Verfall preisgegeben. Franke berichtet über den "holprigen Weg zu ersten Rettungsmaßnahmen", wie zum Beispiel die Wiederherstellung des Daches mit der sehr gut gestalteten Dachterrasse bereits 2004, die teilweise Erneuerung der Elektroinstallation, die Wiederherstellung des Speise-/Festsaales einschließlich Bühne, Bühnenelektrik und die malermäßige Instandsetzung in Originalfarbtönen aus Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.