– Autor: Jens Rometsch (2010)

An der Arno-Nitzsche-Straße 45 in Lößnig wird morgen ein modernes Bürocenter eingeweiht. Einst war das Haus der Sitz vom Metall-Leichtbau-Kombinat Leipzig (MLK), das solche Häuser in der ganzen DDR errichtete.

"Nach unserer Kenntnis gibt es noch kein Haus dieser Art, das wieder belebt wurde", erzählt Klaus-Jürgen Gensch. Er arbeitet für die Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten (Gesa), einer mittelbaren Tochterfirma des Bundes, die sonst vor allem belastete lndustrieflächen oder Deponien in Ostdeutschland saniert und vermarktet.

Vor drei Jahren übernahm die Gesa von einer anderen Bundesfirma die frühere Zentrale des Metall-Leichtbau-Kombinates Leipzig an der Arno-Nitzsche-Straße (neben dem Lidl an der Semmelweisstraße). "Wir haben uns gedacht, dieses Objekt ist eigentlich viel zu schade für die Abrissbirne. Auch wenn es nicht unter Denkmalschutz steht, ist es doch etwas Besonderes und sieht nach einer Modernisierung sicher toll aus.

"Freilich waren seinerzeit nur noch zehn Prozent der 4500 Quadratmeter Nutzfläche in dem Bürohaus vermietet. Ein privater Betreiber, der das Areal nach der Wende von der Treuhand erworben hatte, wollte dort kaum investieren, trennte lieber Teilflächen des MLK-Grundstücks ab, um sie an den Betreiber eines Bowlingcenters beziehungsweise des heutigen Lidl-Marktes zu veräußern.Nachdem dem Privatmann die Puste ausging, kam der größte Teil des Areals zurück an den Bund und so zur Gesa.

"Wenn man sich erst mal etwas mit der Geschichte der MLK-Bauten beschäftigt, sieht man sie im Osten plötzlich überall", weiß Projektmanager Hans-Ulrich Müller. Der Fünfgeschosser in Lößnig sei ein Haus vom "Typ Leipzig", den das MLK ab Ende der Siebzigerjahre in allen größeren DDR-Städten in verschiedenen Varianten errichtet habe. "Mit vorgehängter Alu-Leichtbau-Fassade, das wurde hier in Leipzig so entwickelt."

Für knapp drei Millionen Euro hat die Gesa aus dem großen Block nun ein modernes Bürocenter gezaubert - und auch ihren eigenen Sitz aus der Lessingstraße hierher verlegt. Ob Fassadendämmung, neue Eingangsbereiche mit Glasdächern, klimatisierte Serverräume oder viel Licht in den Zimmern und auf den Fluren - alles ist auf dem neuesten Stand. Der Leipziger Architekt Adrian Reutler erstellte sogar ein Farbkonzept für die einzelnen Bereiche, das die schnelle Orientierung erleichtern soll. "Damit die Kosten im Rahmen bleiben haben wir über eine Tausch-Datenbank der Bundesfirmen etliche Einrichtungsgegenstände selbst besorgt", verrät Gensch.

So kamen 600 Lampen vom Finanzamt Frankfurt/Main, die Pflastersteine für den Parkplatz von einem Tanklager in Bad Liebenwerda, Stühle und Freischwinger von einer Bundesbank-Verwaltung in Hannover. Dass dies alles zusammen dennoch sehr gut funktioniert, davon können sich Nachbarn und Mietinteressenten morgen bei einem Tag der offenen Tür überzeugen, mit dem das Gesa-Bürocenter offiziell eröffnet wird.