– Autor: Jens Schneider (IUP GmbH), Andreas Zimmermann (GESA mbH) Altlastenspektrum (2008)

Ergebnisse der Altlastensanierung im Rahmen des Verwaltungsabkommens Bund/BvS/Land Berlin finden großes Interesse.

Anlässlich "15 Jahre ökologisches Großprojekt Berlin" fand am 26./27. Juni 2008 im Wissenschaftszentrum Adlershof ein zweitägiges Altlastensymposium statt. Bereits 2003 hatten die Veranstalter zum 10. Jahrestag des ÖGP Berlin erstmals zu einem 2-tägigen Seminar geladen, das eine große Resonanz erfuhr. Das diesjährige Symposium bot den 315 Teilnehmern nunmehr den Rahmen, Erfahrungen und Ergebnisse aus insbesondere langfristig angelegten Sanierungsvorhaben darzustellen und die z. T. zeitintensiven Sanierungen einiger Schadensfälle einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. Während im bisherigen Bearbeitungszeitraum mehrere Boden- und Grund-wassersanierungen erfolgreich abgeschlossen werden konnten, befinden sich sowohl Grundstücke mit einem umfangreichen Schadstoffinventar und komplizierten Sanierungsbedingungen sowie Objekte mit einer nachrangigen Handlungspriorität noch im Bearbeitungsstadium.

Symposiumsbegleitend war ein Ausstellungsbereich eingerichtet, der die wesentlichen Teilprojekte des ÖGP Berlin anschaulich darstellte. Des Weiteren hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, den virtuellen EXPO-Beitrag des Landes Berlin zu besuchen, der als Teil eines offiziellen Exponats der Bundesrepublik Deutschland auf der diesjährigen Weltausstellung in Zaragoza (Spanien) das ÖGP Berlin präsentiert.

Einführung

Im Jahre 1993 wurde zwischen dem Land Berlin und dem Bund das ökologische Großprojekt "Industriegebiet Spree", kurz ÖGP Berlin, mit ca. 100 Standorten und über 60 unterschiedlichen Unternehmen konzipiert. Die Besonderheit dieses Großprojektes besteht in der Gemengelage eines städtisch bebauten Wohngebietes mit jahrzehntelang genutzten Industriestandorten sowie zwei Wasserwerken, die aus dem unbedeckten oberen Grundwasserstockwerk des Berliner Urstromtales fördern. Die Region befindet sich im Südosten Berlins und umfasst mit einer Fläche von etwa 18 km² die größte zusammenhängende ehemalige Industrieregion der Hauptstadt. Der überwiegende Anteil der hier gelegenen Flächen gehört zu den historisch bedeutsamen Standorten der chemischen und metallverarbeitenden Industrie Berlins, die heute in zahlreichen Fällen als wichtige Stadtentwicklungsgebiete ausgewiesen sind.

Da viele Betriebe seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mit oftmals wechselnden Produktpaletten und Hilfsstoffen produzierten, weisen die seit mehr als 100 Jahre zurückreichenden Schadstoftbelastungen eine hohe Komplexität auf. Im Boden treten verbreitet Mineralölkohlenwasserstoffe, Cyanide, Arsen, Pestizide und lokal auch LHKW, BTEX sowie Schwermetalle auf. Das Grundwasser ist in den Transferpfaden zu den Wasserwerken mit Kohlenwasserstoffen (im Wesentlichen LHKW, untergeordnet BTEX und MKW), Cyaniden, Pestiziden und z. T. Arsen belastet. Dabei werden Grundwasserbelastungen, die unmittelbar auf die schadstoffhaltigen gesättigten Bodenbereiche in der Umgebung von Eintragsherden begrenzt sind, von solchen unterschieden, die sich mit dem Grundwasserstrom flächig ausbreiten.

Da sämtliche Flächen des ÖGP Berlin im Berliner Urstromtal liegen, das mit seinen oberflächig bis ca. 50 m mächtigen anstehenden glazialen Sanden ein wichtiges Grundwasserreservoir für die Trinkwasserversorgung der Stadt Berlin bildet, stellen insbesondere die beiden Wasserwerke Johannisthal und Wuhlheide sowie deren Einzugsgebiete wesentliche Schutzgüter dar.

Ablauf

Eröffnet wurde das zweitägige Symposium von der Senatorin der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Berlin, Katrin Lompscher, die in ihrem Grußwort die Leistungen der Projektbeteiligten zur nachhaltigen Sicherung der Trinkwasserversorgung in den betreffenden Stadtteilen würdigte. Im Anschluss daran erläuterte Dr. Bernd Halstenberg als Abwicklungsbeauftragter der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) die veränderten Rahmenbedingungen der Altlastenbearbeitung bei der Abwicklung der Treuhandnachfolge durch den Bund. Dr. Claus-Peter Pietras, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten mbH (GESA), schloss daran an, indem er die Aufgaben der GESA als neuer Eigentümerin zahlreicher Altlastenflächen in den neuen Bundesländern skizzierte.

Mit einem Referat zur Bedeutung des Bodenschutzes und der Altlastenbearbeitung im Land Berlin eröffnete Andrea Neuhahn, Referatsleiterin Bodenschutz bei der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz (SenGesUmV) das Altlastensymposium, welches sich in diesem Jahr in drei thematische Komplexe gliederte.

Im ersten Thementeil des Altlastensymposiums "Das Ökologische Großprojekt BerIin - Überblick und Schwerpunkte" wurde unter der Leitung von Dr. Michael Kiel (BvS/ACOS GmbH) ein Überblick über die bisherige Bearbeitung des ÖGP Berlin und ein Ausblick über die noch anstehenden Aufgaben gegeben. So legte Jens Naumann (SenGesUmV) dar, dass im ÖGP Berlin Maßnahmen in einer Größenordnung von 150 Millionen Euro bereits umgesetzt worden sind und für die noch ausstehenden Aufgaben mit Ausgaben zwischen 50 bis 70 Millionen Euro zu rechnen ist. Im Anschluss daran erläuterten Katharina Jankowicz und Axel Lutz (TAUW GmbH) als Projektcontroller des nördlichen Teilbereiches des ÖGP Berlin die auf GEODIN-Basis erstellte Datenbank, welche sämtliche Grunddaten für die technische Bearbeitung des Gesamtprojektes enthält.

In zwei Referaten von Claudia Blach und Frank Rauch (beide SenGesUmV) zu den Sanierungs- und Sicherungsstrategien bei der Grundwassersanierung im Bereich der Wasserwerke Wuhlheide und [ohannisthal wurde deutlich, dass in den letzten 10 Jahren die Transferpfadbelastung wesentlich reduziert werden konnte. Die zukünftigen Überlegungen konzentrieren sich nunmehr darauf, inwieweit mit unterstützenden In-situ-Maßnahmen dauerhaft und flächendeckend die angestrebten Sanierungsziele erreicht werden können.